Theater
Brandenburg, Theaterklause, 20. Dezember 2008
KULTUR:
Spitzenjazz
(...)
Berliner
Formation mit hochklassigen Improvisationen in der Theaterklause
Nicht
nur das. George Kranz, sowie Axel Kottmann (Bass) und Thomas Keller
(Saxophon) spielen Jazz, dass einem Hören und Sehen vergeht. Nicht
wegen der Lautstärke, sondern weil sie so unwahrscheinlich gut sind,
wie man es heutzutage nur noch selten erlebt. Da ist nichts gefällig,
abgeschliffen. Ihre Musik kommt spontan und unverbraucht rüber, wirkt
unmittelbar und vermittelt das Gefühl von Aufbruch und Freiheit. (...)
„Acceleration“
heißen ihre Stücke oder „La Bouche“. Nicht nur daran lässt sich
erkennen, dass die drei Jungs viel in der Welt herum gekommen sind. In
ihren Stücken tauchen unverkennbar Elemente von Weltmusik auf.
Eingespielt werden sie von Tonmeister Ufuk Özgüc, der sich dezent im
Hintergrund hält. Ein besonderes Hörerlebnis ist Kranz’ vokale
Perkussion. Dabei erzeugt er mit seiner Stimme Klänge und Töne von ganz
besonderem Reiz, wie beispielsweise in dem Stück „Ambiance“. Mit dem
Trommeltanz „Din Daa Daa“ erzielte er 1983 in den USA seinen
Durchbruch. Heutzutage wird dieses Verfahren gerne im Hip-Hop angewandt
und heißt dann Beatboxing.
Die
besondere Stärke von „drei+“ liegt in der Improvisation, der
Königsdisziplin der Musik. Improvisiert wurde ja nicht erst im Jazz,
sondern schon seit der Renaissance. Improvisationen kennt man auch in
arabischer, türkischer und indischer Musik. Abgesehen von bestimmten
Formen des Free Jazz ist allen Formen der Improvisation gemeinsam, dass
ihnen eine harmonische Grundstruktur, ein Rhythmus oder eine Melodie
zugrunde liegt. Die wahre Könnerschaft zeigt sich aber erst in der
Interaktion der Musiker untereinander. Und die stimmt bei „drei+“
hundertprozentig.
Kranz
ruft den Überraschungsgast auf die Bühne: Carsten „Beathoven“ Mohren.
Die Luft in der Theaterklause beginnt zu vibrieren von den Klängen von
„Freedom Jazz Dance“. Alles klingt und schwingt. Sachte, ganz sachte
wird die Musik immer leiser und leiser. Gleich wird auch der Bass
verstummen, immer leiser wird er – doch plötzlich sind alle wieder voll
dabei. Einfach Spitze!
(Von Ann Brünink aus der Märkischen
Allgemeinen vom 22.12.2008)